Danke! Meiner Meinung nach sollte bei der Diskussion um Kehler differenziert werden zwischen der aktuellen Situation in Verbindung mit der Frage, ob er nächstes Jahr unser Meistercoach sein soll, und der Beurteilung seiner Verdienste in der Vergangenheit bzw. seinen Fähigkeiten im Allgemeinen.
Zunächst zum ersten Punkt:
Natürlich ist es inzwischen quasi unmöglich, ein Festhalten an Kehler über die Saison hinaus zu rechtfertigen. Die schwachen Playoffs der letzten Saison, das seit Beginn seiner Ära fast durchgehend harmlose Überzahlspiel und der fehlende Nachweis, Fördervertragspieler (nicht U24-Spieler!) fördern und weiterentwickeln zu können, sprachen unlängst gegen ihn. Oben drauf kommt nun noch der sportliche Abwärtstrend, der sich spätestens ab Jahresbeginn massiv in den Ergebnissen niederschlug. Zuvor passte ja zumindest noch die Punkteausbeute, ohne dass das Team auf dem Eis Glanz und Gloria versprühte. Bei letzterem lässt sich kurioserweise eine Parallele zur späten Rossi-Amtszeit erkennen.
Darüber hinaus könnte man noch die Gründe für den aktuellen Abwärtstrend diskutieren und sezieren, wie diese zu gewichten sind: Corona-Nachwirkungen, fehlender sportlicher Anreiz, Kaderzusammenstellung, Leistung des Trainers etc. Eine richtige Antwort darauf wird aber wohl keiner, der nicht direkt dran am Team ist, geben können. Und spekulieren hilft in dem Fall auch nicht weiter.
Punkt 2:
Ich habe das Gefühl, dass der ein oder andere krampfhaft Kehlers Fähigkeiten als Trainer in Frage stellen muss, um zu erklären, dass er jetzt und in Zukunft nicht der Richtige für uns ist. Das ist ein Reflex, den ich schon zu Rossi-Zeiten nicht verstanden habe, als versucht wurde, mit an den Haaren herbeigezogenen Argumenten zu suggerieren, dass er keinen Anteil am Meistertitel gehabt haben soll. Warum wird das gemacht? Ich verstehe es nicht. In meinen Augen reichen in Bezug auf Kehler die unter Punkt 1 genannten Dinge aus, um eine Trennung zu rechtfertigen. Da muss nicht zusätzlich die Vergangenheit verklärt werden.
Warum ich Tim Kehler für einen guten Trainer halte, habe ich vor einigen Wochen >>hier<< schon ausgeführt. Einen entsprechend guten Ruf hat er im Übrigen auch in Frankfurt. Die aktuelle Situation lässt mich an meinem Standpunkt auch nicht zweifeln. Früher oder später hat sich jeder Trainer abgenutzt, egal wie gut oder schlecht er ist.
Kehler ist übrigens der dienstälteste Trainer der DEL2, und allein das will bei diesem kritischen und mit hohen Ansprüchen versehenen Kasseler Umfeld schon was heißen.
Zum Abschluss noch ein Vorschlag: Wir sollten den kommenden Huskies-Übungsleiter nicht als "Trainer" bezeichnen, sondern als "Sau die als nächstes durchs Dorf getrieben wird". Wann hatten wir denn zuletzt einen Trainer, dessen Fähigkeiten während oder gegen Ende seiner Amtszeit nicht in Frage gestellt wurde?