Hallo zusammen,
nachdem das Saisonende nun einige Wochen zurückliegt und wir alle etwas durchatmen konnten, macht es vielleicht Sinn die - vor allem nach Finalspiel 1 - aufgekommene Kritik rund um die SpradeTV-Übertragung der Huskies nochmal aufzugreifen und zumindest den Versuch zu starten, das alles etwas zu konkretisieren. Für mich persönlich ist das schon eine Art Herzensangelegenheit, weil ich den Job als Sprade-Kommentator selbst für mehrere Jahre übernommen habe und auch jetzt mit den Jungs vom Sprade-Teams regelmäßig in Kontakt bin. Hier nochmal der Link zu den betreffenden Beiträgen: RE: DEL2 Finale Kassel - Bietigheim . Ich möchte diesen Beitrag ungern zusätzlich mit Zitaten zupflastern, weil er auch so schon viel zu lang werden wird.
Ich bin mir sehr sicher, dass die Sprade-Jungs für jeden fundierten Verbesserungsvorschlag dankbar sind. Der oft geäußerte Vorwurf, man dürfe keine Kritik äußern oder Kritik werde nicht angenommen, weil alle ehrenamtlich tätig sind, ist aus meiner Sicht Bullshit. Entscheidend ist einfach, wie handfest diese Kritik ist, denn Formulierungen wie "Moderation ist schlecht", "Gesülze" oder "der labert Mist" können im Ergebnis nicht zur Verbesserung beitragen.
Fundierte Kritik gab es zuletzt aber natürlich auch und diese kann man natürlich aufgreifen und ggf. vertiefen. Wenn ich den richtigen Überblick habe, bezieht sich die Kritik auf zwei Bereiche:
1. Gestaltung Vorbericht/Powerbreaks/Drittelpausen
2. Moderation/Kommentar
Mit Punkt 1 würde ich gern als erstes beginnen, weil ich der Meinung bis, dass hier relativ wenig Handlungsspielraum besteht:
Zuletzt war es ja so, dass der journalistische Teil der Übertragung ca. 15 Minuten vor Spielbeginn mit dem Vorbericht durch Jason Schade und Stefan Gerhold begann. Rein inhaltlich gab es daran für mich auch wenig auszusetzen, da die Beiden vor allem auf das Gästeteam immer gut vorbereitet waren und die Zuschauer somit auf das Spiel einstimmen konnten. Hier besteht natürlich immer die Gefahr, die Konsumenten mit zu vielen Informationen zu überfordern, da den richtigen Mittelweg zu finden, ist nicht einfach. Ggf. könnten Informationen auch häufiger visualisiert werden, vor den Finalspielen 3 und 5 wurde das dann ja auch gemacht. Normalerweise gehörten auch aufgezeichnete Spielerinterviews mit in den Vorbericht, diese fielen aber irgendwann den Corona-Maßnahmen zum Opfer.
Kurzinterviews in den Powerbreaks wären sicher wünschenswert, allerdings haben die Huskies für die Unterbrechungen inzwischen so viel Werbung verkauft, dass einfach keine Zeit für Interviews bleibt. So ähnlich sieht das auch in den Drittelpausen aus. Direkt nach der Pausensirene gab es ja fast immer ein Kurzinterview mit einem Huskies- oder Gästespieler. Auf letztere musste man aus hygienischen Gründen aufgrund der Coronasituation oft verzichten und auf Wunsch der Mannschaft gab es in den letzten beiden (?) Heimspielen auch keine Interviews mit Huskies-Spielern mehr. Die Fragen an die Spieler ähnelten sich natürlich oft, aber aufgrund des Zeitdrucks machte es Sinn, das Interview mit einer offenen Frage ("was sagst du zum 1. Drittel?") zu beginnen, um möglichst viel Inhalt in möglichst kurzer Zeit abzuholen.
Dazu gab es ab und an noch Interviews mit anderen Personen, wie z. B. René Rudorisch, Joe Gibbs oder Manuel Klinge.
Nach den Spielerinterviews blieb, aufgrund der in großer Menge verkauften Werbespots, kaum noch Zeit, mehr Content einzubringen. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, reden wir von knapp vier Minuten. Anstatt die fahrende Eismaschine oder die Zwischenergebnisse aus den anderen Hallen zu zeigen, könnte man in dem Zeitfenster vielleicht noch Highlightszenen als Replays zeigen, mehr Möglichkeiten sehe ich praktisch aber nicht. Die Umsetzung von Gewinnspielen o. ä. scheiterte nach meiner Einschätzung nicht am Ideenreichtum der Sprade-Jungs, sondern an demjenigen, der das Budget verantwortet.
Punkt 2: Moderation
Aus meiner Sicht ist das ein schwierig zu diskutierendes Thema, weil jeder Kommentator einen eigenen Stil einbringt und sich daran die Geister scheiden. Wir sehen das derzeit auch im Rahmen der Fussball-EM; immer wenn ein großes Fussballturnier stattfindet, kommt kaum ein Kommentator gut weg. Ich muss da immer an ein passendes Zitat aus Frank Buschmanns Buch "Am Ende kackt die Ente" denken, wo er Ernst Huberty zitierte, der sinngemäß sagte "wenn 50% der Zuhörer mit dir zufrieden sind, hast du einen guten Job gemacht." Selbst die Profis stehen da im Feuer und bezogen auf die SpradeTV-Kommentatoren fallen mir auf Anhieb nur Simon Rentel (Bad Tölz) und in Teilen Marius Franke (Bad Nauheim) ein, die regelmäßig gute Kritiken erhalten haben.
Die Kritik an dem Huskies-Duo beschränkte sich zuletzt ja vor allem auf Stefan Gerhold. Dazu möchte ich zunächst nochmal verdeutlichen, wie er ins Team gerückt ist: Vor Saisonbeginn war klar, dass Jason Schade den Kommentatoren-Job nicht mehr übernehmen sollte, weil sein neuer Job als Pressesprecher zeitlich mit der Sprade-Aufgabe nicht vereinbar schien. Daraufhin haben die Huskies einen öffentlichen Aufruf gestartet, um einen neuen Kommentator zu finden. Im Rahmen der Testspiele versuchten sich dann auch zwei oder drei Personen an dieser Aufgabe, allerdings wurde relativ schnell klar, dass sie die hohen Anforderungen fachlich und rhetorisch nicht erfüllen können. Danach stieß Stefan hinzu, der von Anfang an sehr demütig an die Sache heranging und genau wusste, was da auf ihn zukommt. Spätestens zu dem Zeitpunkt war aber klar, dass Jason Schade mangels Alternativen weiterkommentieren muss. Er übernahm dann den Hauptteil der Moderation, um Stefan Stück für Stück mehr Anteile zu überlassen.
Meiner Meinung nach funktionierte das dann auch von Zeit zu Zeit besser, was sich im Übrigen ja auch an den Rückmeldungen hier im Forum zeigte, wie hier Anfang März: RE: EC Kassel Huskies vs. Bietigheim Steelers (Montag, 8. März 2021, 19:30 - 21:30)
Stefan traute sich als immer mehr zu. Während der Playoffs nahm dann aber auch die Kritik an ihm zu. Beispielhaft möchte ich da die Aussagen von Fastpuck und ALemmy erwähnen, die ihm sinngemäß vorwarfen, zu überdrehen (korrigiert mich bitte, wenn ich das falsch darstelle!). Das ist ein Punkt, den man meiner Meinung nach ernst nehmen muss, der für mich aber auch nachvollziehbar und menschlich ist. Versetzt euch mal in ihn hinein: Du gehst mit gehörig Respekt an diese Aufgabe heran, agierst erst vorsichtig, sammelst dann immer mehr Zutrauen, bekommst positive Rückmeldungen und traust dich dann immer mehr und immer mehr. Klar ist für mich, dass du dann von ganz allein Gefahr läufst, zuviel zu wollen, dich vielleicht etwas zu viel einzubringen. Das führt dann unweigerlich dazu, dass du dich in Situationen zu Wort meldest, in denen es eigentlich nichts zu sagen gibt dann unbewusst eine wenig aussagekräftigen Standardfloskel rauskommt.
Wie gesagt, ich kann die Kritik nachvollziehen, aber wenn du als Amateur so einen Kommentatoren-Job übernimmst, kannst du dich nur über praktische Erfahrungen weiterentwickeln. Diejenigen, die den Kommentatoren-Job in Kassel vorher ausgefüllt haben, haben vorher schon Erfahrungen im Liveradio-Bereich gesammelt. Stefan ist so gesehen der erste Rookie und ich finde, dafür hat er das insgesamt gut gemacht. Jetzt geht es nur darum, sich weiterzuentwickeln und aus den gesammelten Erfahrungen und der geäußerten Kritik zu lernen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Stefan das machen wird. Rein fachlich halte ich ihn im Übrigen für einen Topmann!