Quelle HNA
Freitag, 4. April 2025, Hessische Allgemeine (Kassel-Mitte) / Sport
„Entscheide mich immer für diese Region“
Dresden-Fans ärgern sich über Gästeblock in Nordhessen-Arena – das sagt Geschäftsführer Paul Sinizin
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Der Gästeblock vor dem Umbau zu Sitzplätzen: Inzwischen gibt es Stehplätze nur noch oben hinter dem hier noch grauen Stufen-Bereich. © Screenshot: nordhessen-arena.de
Kassel – Die Kassel Huskies empfangen heute die Dresdner Eislöwen zum dritten Halbfinalspiel der DEL2-Playoffs. Nach dem ersten Duell vor einer Woche gab es Ärger: Fans der Eislöwen beschwerten sich über den zuvor umgebauten Gästebereich in der Nordhessen-Arena. Ein Anhänger bemängelte in einem offenen Brief, der Stehbereich sei eine Zumutung: viel zu klein, in der äußersten Ecke, außerdem zu hoch gelegen, sodass es zu erheblichen Sichtbehinderungen käme. Paul Sinizin, Geschäftsführer der Huskies und der Arena, hat wenig Verständnis für die Beschwerden.
Zwischen der Viertel- und Halbfinalserie waren im Bereich des vorherigen Gäste-Stehblocks Sitzplätze installiert worden, der Stehplatzbereich für auswärtige Fans beschränkt sich nun auf einen (schon vorher bestehenden) Podestbereich hinter der neuen Sitztribüne. Das größte Problem für die Dresdner: Mitten in diesem Stehbereich steht ein Pfosten, um den herum sich Fans verteilen. Ist der Block gut gefüllt, sieht man hinter dem Pfosten nur wenig vom Spielgeschehen. „Ich habe den nicht dahingebaut“, sagt Sinizin, der seit 2021 die Modernisierung der früheren Eissporthalle vorantreibt. Inzwischen gehört ihm die Halle, zudem ist er Geschäftsführer.
Die Entscheidung, den bisherigen, großen Stehblock zu etwa 220 Sitzplätzen auszubauen, sei vor allem wirtschaftlicher Natur. „Ich werde mich nicht dafür rechtfertigen, dass die Arena multifunktionaler wird und mehr Erlöse abwirft. Das ist auch gut für die Huskies“, sagt Sinizin. Die Arena müsse auch für andere Klubs und Events so attraktiv wie möglich werden. Und: Sitzplätze seien fast immer ausverkauft – anders als Stehplätze. Sinizin: „Da kann ein Kind die Bedarfsanalyse durchführen. Wenn ich 150 Menschen mehr aus Kassel und der Region mit Sitzplätzen glücklich machen kann, entscheide ich mich immer für die Region. Sie ist uns wichtiger.“ Der neue Sitzblock sei zwar weiter Gästebereich, werden Tickets aber nicht an auswärtige Fans verkauft, gehen die Plätze an Heimfans.
Als Besucher müsse man laut Sinizin immer mit Kompromissen rechnen: „In der DEL gibt es Stadien wie in Mannheim oder Berlin, wo es gar keine Gäste-Stehplätze gibt.“ Der Block in Kassel sei in den seltensten Fällen ausverkauft gewesen, zudem stimme die Zahl an Fans nicht, die dort gerüchteweise Platz gefunden hätte. „Die Treppenstufen sind nicht so breit wie auf dem Heuboden. Dort haben nie 500 Leute hingepasst – zumindest wenn es ein Sicherheitskonzept gibt, das eingehalten wird. Beim Spiel gegen Krefeld war der Stehblock rappelvoll und es waren nur 30, 40 Leute mehr dort als die 220 Plätze jetzt. Wir haben Bilder via KI auswerten und die Fans nachzählen lassen“, so Sinizin. Außerdem hätten sich 140 Krefeld-Fans trotz verfügbarer Stehplätze im Block daneben Sitze gebucht. Es sei also nicht so, dass alle Gästefans stehen wollen.
Mit Dresden sei im Vorlauf abgestimmt worden, wie viele Fans zu erwarten sind, auch über die neue Situation sei gesprochen worden. „In den jetzigen Stehbereich passen 100 bis 110 Fans. Wenn der komplett voll ist, haben zehn bis 20 wegen des Pfostens keine gute Sicht.“ Es gebe aber überall in der Halle Plätze mit Sichteinschränkungen und von der Liga zudem keine Vorschriften, wie viele Gästeplätze zur Verfügung gestellt werden müssen. „Wir halten 250 Plätze vor“, so Sinizin.
Und warum wurden dort nicht sogenannte Varioplätze eingebaut, die man im Bedarfsfall zu Stehplätzen umwandeln kann? „Die Stühle, die wir überall in der Halle haben, kosten etwa 140 Euro pro Stück. Ein Varioplatz etwa 750 Euro. Wenn jemand den Unterschied von rund 140.000 Euro allein für den Gästeblock zahlen möchte, lasse ich das sofort umbauen“, sagt Sinizin.
Die Kritik, in die online auch Huskies-Fans einstimmten, habe aber auch Spuren hinterlassen. „Zum ersten Mal hatte ich für eine Minute den Gedanken: Für wen machst du das eigentlich?“ Den habe Sinizin aber schnell verworfen.
FOTO: DIETER SCHACHTSCHNEIDER
BJÖRN FRIEDRICHS